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Wie ein Batteriespeicher Geld verdient

August 17, 2026

voltaigo Energiespeicher 9 MWh + 3,4 MWp PV in Kotaj, Ungarn
Foto: voltaigo Energiespeicher 9 MWh + 3,4 MWp PV in Kotaj, Ungarn

Kapitel 1

Zwei Anlagen, zwei völlig verschiedene Aufgaben

PV-Anlage und Batteriespeicher stehen oft auf demselben Grundstück und werden trotzdem nach ganz unterschiedlichen Regeln behandelt. Der Unterschied ist grundlegend — und er entscheidet über fast alles, was danach kommt. Ein konkretes Beispiel zeigt unser Projekt in Ungarn.

Die PV-Anlage solar plant

Sie erzeugt Energie. Wann sie das tut, bestimmt die Sonne, nicht der Betreiber. Eine PV-Anlage kann ihre Leistung drosseln, aber nicht erhöhen und nicht verschieben. Sie ist im Netz ein reiner Einspeiser.

Ihr wirtschaftliches Problem: Sie produziert genau dann am meisten, wenn alle anderen PV-Anlagen ebenfalls am meisten produzieren. Genau dann ist Strom am wenigsten wert.

Der Batteriespeicher BESS

Er erzeugt nichts. Er verschiebt Energie in der Zeit. Beim Laden ist er ein Verbraucher, beim Entladen ein Erzeuger — dieselbe Anlage, zwei Rollen, oft im Abstand von Minuten.

Diese Doppelrolle ist der Grund, warum Speicher regulatorisch so kompliziert sind: Fast jedes Energiegesetz wurde für „Erzeuger" oder „Verbraucher" geschrieben, nicht für etwas, das beides ist.

Die Kennzahlen, auf die es ankommt

MW

Leistung power

Wie schnell die Batterie Energie aufnehmen oder abgeben kann. Bestimmt, wie viel sie in einer einzelnen Viertelstunde bewegen kann.

MWh

Kapazität energy capacity

Wie viel Energie insgesamt hineinpasst. Eine 10-MW-Batterie mit 20 MWh kann zwei Stunden lang mit voller Leistung entladen.

C

C-Rate

Das Verhältnis der beiden. 20 MWh ÷ 10 MW = 2 Stunden, also 0,5 C. Kurze Speicher eignen sich für Regelenergie, lange für Preisarbitrage.

Vertiefung: Wirkungsgrad, Degradation und warum „86 %" nicht gleich „86 %" ist

Der Umlaufwirkungsgrad round-trip efficiency, RTE beschreibt, wie viel von der geladenen Energie beim Entladen wieder herauskommt. Lithium-Ionen-Systeme liegen auf Zellebene bei 92–95 %. Auf Anlagenebene bleiben davon oft 85–90 % übrig, weil Wechselrichter, Transformator, Klimatisierung und Steuerungselektronik permanent Energie ziehen.

Wichtig für die Auswertung: Ein aus Monatssummen gerechnetes Verhältnis „Entladen ÷ Geladen" ist kein echter Wirkungsgrad. Es ist nur dann eine brauchbare Näherung, wenn die Batterie am Monatsanfang und am Monatsende ungefähr gleich voll war. Endet der Monat mit halbvoller Batterie, sieht der Wirkungsgrad künstlich schlecht aus — die Energie ist ja noch drin. Für eine belastbare Zahl braucht man Ladezustandsdaten state of charge, SoC.

Degradation: Jeder Vollzyklus altert die Zellen. Übliche Garantiezusagen liegen bei 70 % Restkapazität nach 10 Jahren oder einer festgelegten Zyklenzahl. Das begrenzt die Wirtschaftlichkeit: Wer jeden kleinen Preisunterschied mitnimmt, verdient kurzfristig mehr und verkürzt die Lebensdauer. Handelsstrategien rechnen deshalb mit Verschleißkosten pro Zyklus.

Kapitel 2 · Simulation

Ein Tag, 96 Viertelstunden

Seit Oktober 2025 wird Strom europaweit in Viertelstunden gehandelt — 96 Preise pro Tag statt 24. Hier ist ein typischer Sommertag mit viel Sonne. Verschieben Sie die beiden Schwellen und beobachten Sie, wie sich Fahrweise und Erlös ändern.

Tagesstreifen · Preis, Fahrweise, Ladezustand

Zeiger bewegen für Details
Balkendiagramm der 96 Viertelstundenpreise eines Tages, eingefärbt nach Lade- und Entladeentscheidung, darüber der Verlauf des Ladezustands.
Laden Entladen Stillstand Ladezustand
Erlös Entladen
–
Kosten Laden
–
Rohmarge Tag
–
Vollzyklen
–

Was Sie hier sehen sollten: Ziehen Sie beide Schwellen weit auseinander — die Anlage handelt seltener, verdient pro Zyklus aber mehr. Schieben Sie sie zusammen, entstehen mehr Zyklen mit dünnerer Marge. Genau diese Abwägung ist der Kern des Speichergeschäfts: Spanne mal Häufigkeit, abzüglich Verschleiß.

Die Preiskurve ist eine typisierte Darstellung eines sonnigen Sommertages, keine Messreihe. Mittags drückt die Solarerzeugung den Preis teils unter null — wer dann lädt, bekommt Geld dafür, Strom abzunehmen.

Vertiefung: Warum die Kurve mittags einbricht

Diese Form heißt Entenkurve duck curve. Sie entsteht, wenn viel Photovoltaik im Netz ist: Zur Mittagszeit deckt die Sonne einen großen Teil des Bedarfs, die teuren Kraftwerke fallen aus der Einsatzreihenfolge merit order, der Preis fällt. Am Abend verschwindet die Sonne binnen weniger Stunden, während der Verbrauch steigt — der Preis schießt hoch.

Ungarn ist dafür ein extremes Beispiel. Am 25. Juni 2025 lag die Solarerzeugung des Landes um die Mittagszeit bei 6,25 GW und damit über dem gesamten Strombedarf zu diesem Zeitpunkt. Je steiler die Kurve, desto wertvoller wird Flexibilität — und desto besser rechnet sich ein Speicher.

Für PV-Betreiber ist dieselbe Kurve ein Problem: Sie verkaufen ihre gesamte Produktion in den Stunden, in denen der Preis am niedrigsten ist. Der erzielte Durchschnittspreis liegt deshalb systematisch unter dem Tagesmittel. Diese Lücke nennt man Kannibalisierungseffekt capture rate — und sie ist das stärkste wirtschaftliche Argument dafür, PV und Speicher zu kombinieren.

Kapitel 3

Strom wird mehrfach verkauft, bevor er fließt

Zwischen „Ich plane, morgen Strom zu liefern" und „Der Strom fließt gerade" liegen mehrere Handelsstufen. Jede korrigiert die vorherige. Klicken Sie sich durch.

Die wichtigste Zahl in diesem Kapitel: Seit dem 1. Oktober 2025 werden alle gekoppelten europäischen Vortagsmärkte in Viertelstunden gehandelt statt in Stunden. Der Wechsel ging am 30. September 2025 für den Liefertag 1. Oktober 2025 in Betrieb. Damit werden Strompreise nun alle 15 Minuten ermittelt. Für Speicher ist das eine deutliche Verbesserung: Preisspitzen, die vorher im Stundenmittel verschwanden, sind jetzt handelbar.

Vertiefung: Bilanzkreis und Marktkopplung

Jede Anlage gehört zu einem Bilanzkreis balance group — einem virtuellen Konto, auf dem Einspeisung und Entnahme aller zugehörigen Anlagen gegeneinander verrechnet werden. Der Bilanzkreisverantwortliche schuldet dem Netzbetreiber einen ausgeglichenen Fahrplan. Was am Ende nicht aufgeht, wird als Ausgleichsenergie abgerechnet (Kapitel 5).

Die europäischen Vortagsmärkte sind über die Marktkopplung single day-ahead coupling, SDAC verbunden: Ein gemeinsamer Algorithmus ermittelt gleichzeitig für alle Gebotszonen die Preise und verteilt dabei die knappen Grenzkuppelkapazitäten. Dreißig Übertragungsnetzbetreiber sind daran beteiligt; außerhalb stehen unter anderem Großbritannien, die Schweiz, der Westbalkan und die Türkei. Deshalb sind die Preise in Ungarn, Österreich und Deutschland eng gekoppelt und unterscheiden sich nur, wenn die Grenzkapazität nicht ausreicht.

Kapitel 4

Regelenergie: bezahlt fürs Bereitstehen

Das Stromnetz muss permanent bei 50 Hertz laufen. Weicht die Frequenz ab, greifen drei gestaffelte Reserven ineinander — jede schneller und teurer als die nächste. Für Batterien ist das der attraktivste Markt, weil sie in Millisekunden reagieren können.

FCRPrimärregelung

Reagiert innerhalb von Sekunden, vollständig nach spätestens 30 Sekunden. Wirkt automatisch und überall im europäischen Verbundnetz gleichzeitig — sie stoppt den Frequenzabfall, korrigiert ihn aber nicht. Batterien dominieren diesen Markt, weil ihre Reaktionszeit unschlagbar ist.

aFRRSekundärregelung

Als Sekundärreserve löst aFRR die Primärregelung nach etwa 30 Sekunden schrittweise ab und entlastet damit die gemeinsame Primärreserve Kontinentaleuropas, die dadurch wieder als Sicherheitsnetz zur Verfügung steht. Die Aktivierung erfolgt in Österreich innerhalb von maximal fünf Minuten. Anders als FCR wirkt aFRR nur in der Regelzone, in der das Ungleichgewicht auftritt. Der Abruf erfolgt automatisch. Für größere Speicher ist aFRR meist die wichtigste Erlösquelle neben dem Spothandel.

mFRRTertiärregelung

Die Tertiärreserve unterstützt oder ersetzt aFRR nach etwa 12,5 Minuten. Sie wird manuell abgerufen und dient dazu, die schnelleren Reserven wieder freizumachen, damit sie für den nächsten Störfall verfügbar sind.

Zwei Erlöse, nicht einer: Wer Regelenergie anbietet, bekommt einen Leistungspreis capacity price für die reine Bereitstellung — auch wenn nie abgerufen wird — und zusätzlich einen Arbeitspreis energy price für tatsächlich gelieferte Energie. Der Leistungspreis ist planbar und deshalb für die Finanzierung besonders wertvoll.

Vertiefung: Präqualifikation, europäische Plattformen und Marktrisiko

Bevor eine Anlage Regelenergie anbieten darf, muss sie präqualifiziert werden: Der Übertragungsnetzbetreiber prüft in Tests, ob sie die zugesagte Leistung zuverlässig und schnell genug liefert. Das ist ein mehrmonatiger Prozess und eine harte Voraussetzung — in Ungarn ist beispielsweise die aFRR-Akkreditierung durch den Netzbetreiber eine Fördervoraussetzung im staatlichen Speicher-Förderprogramm.

Die nationalen Märkte wachsen zusammen: Mit PICASSO entsteht eine gemeinsame Plattform, über die aFRR zwischen Ländern ausgetauscht werden kann. MARI ist das entsprechende Umsetzungsprojekt für eine europäische mFRR-Plattform, an dem im Juni 2023 bereits 32 Übertragungsnetzbetreiber beteiligt waren. Zum Start dieser Plattformen wurden in allen teilnehmenden Ländern viertelstündliche Zeitscheiben und einheitliche Grenzpreisvergütung eingeführt.

Das Risiko: Regelenergiepreise sind Knappheitspreise. Kommen viele neue Batterien gleichzeitig ans Netz, fallen sie schnell. Ein Geschäftsmodell, das allein auf heutigen FCR- oder aFRR-Preisen aufbaut, ist gegenüber dem Zubau verwundbar — deshalb setzen die meisten Projekte auf eine Mischung mehrerer Erlösquellen revenue stacking.

Kapitel 5

Ausgleichsenergie: die Rechnung für Abweichungen

Wer mehr oder weniger einspeist als angemeldet, bekommt die Differenz abgerechnet. Das ist keine Strafe, sondern ein Preis — und er kann in beide Richtungen gehen.

Die Logik ist einfach: Der Netzbetreiber musste die Abweichung ausgleichen und stellt die Kosten dem Verursacher in Rechnung. Wer aber zufällig in die richtige Richtung abweicht — also genau dann mehr einspeist, wenn im System Energie fehlt — hat dem Netz geholfen und bekommt Geld.

Abweichung gegen das System

Sie speisen weniger ein als angemeldet, während im Netz ohnehin Energie fehlt. Der Netzbetreiber muss teure Reserve abrufen. Sie zahlen.

Abweichung mit dem System

Sie speisen mehr ein als angemeldet, genau wenn Energie fehlt. Sie haben die Reserve entlastet. Sie bekommen Geld.

Für einen Speicher ohne festen Fahrplan verschwimmt die Grenze zwischen „Handel" und „Ausgleichsenergie": Wenn nichts angemeldet wurde, ist die gesamte gefahrene Energie eine Abweichung — und wird entsprechend abgerechnet. Das kann ein tragfähiges Geschäftsmodell sein, ist aber deutlich volatiler als ein geplanter Fahrplan.

Vertiefung: Warum Ausgleichsenergiepreise entgleisen können

Ausgleichsenergiepreise entstehen aus den Kosten der teuersten abgerufenen Reserve. Wenn wenig Reserve verfügbar ist, können sie extreme Werte annehmen. Ungarn hat das erlebt: Nachdem die Preisobergrenze für positive aFRR- und mFRR-Arbeitspreise entfallen war, während für negative Regelenergie eine Grenze bei −50.000 HUF/MWh bestehen blieb, kam es zu Fehlanreizen. Hintergrund war, dass konventionelle Kraftwerke durch die wachsende Erneuerbaren-Erzeugung bereits am Vortagsmarkt aus der Einsatzreihenfolge gedrängt wurden und in den Quartalen 2 und 3 des Jahres 2023 überwiegend nur noch am Reservemarkt liefen — mit der Folge, dass die verfügbaren rotierenden Reserven fortlaufend abnahmen.

Die Regulierungsbehörde reagierte mit einer neuen Obergrenze: Sie orientiert sich am Clean Spark Spread, gilt nur bei nach dem HHI-Index als konzentriert eingestuftem Markt und wird viertelstündlich gemessen. Zusätzlich führte der Netzbetreiber ein inkrementelles Gebotsverfahren ein, bei dem für eine 200-MW-Einheit 200 einzelne Preisgebote je Megawatt abgegeben werden können statt eines Gebots für den ganzen Block.

Merksatz für die Bewertung eines Speicherprojekts: Erlöse aus Ausgleichsenergie sind real, aber sie hängen an Regeln, die sich ändern können — und die sich in Ungarn zuletzt mehrfach geändert haben.

Kapitel 6

Vom Erlös zum verfügbaren Geld

Eine Monatsabrechnung besteht aus einem guten Dutzend Positionen. Klicken Sie eine an, um zu sehen, was dahintersteckt.

Billig laden, teuer entladen. Die klassischste Erlösquelle und die einzige, die ohne Zulassung oder Präqualifikation funktioniert. Der erzielbare Betrag hängt direkt an der Preisspreizung über den Tag — je mehr Photovoltaik im Netz, desto größer die Spanne.

Vergütung für die reine Bereitschaft, auf Abruf Leistung zu liefern. Wird auch dann gezahlt, wenn nie abgerufen wird. Weil dieser Erlös planbar ist, hat er für die Finanzierung überproportionales Gewicht — Banken rechnen ihn anders an als Handelserlöse.

Vergütung für tatsächlich abgerufene Energie. Kann sehr hoch ausfallen, ist aber nicht planbar: Ob und wie oft abgerufen wird, entscheidet der Netzbetreiber nach Bedarf des Systems.

Abrechnung der Abweichung zwischen Fahrplan und Ist-Fahrweise. Kann Erlös oder Kosten sein — je nachdem, ob die Abweichung dem System geholfen oder geschadet hat. Bei Anlagen ohne Fahrplan ist das faktisch die Haupterlösposition.

Der Vermarkter behält einen Aufschlag ein, meist als Prozentsatz auf den Börsenpreis plus einen festen Betrag je MWh. Achtung auf die Bemessungsgrundlage: Häufig gilt sie für das Bruttovolumen beider Richtungen, nicht für den Saldo.

Entgelt des Netzbetreibers für die Nutzung der Leitungen. Für Speicher die politisch umstrittenste Position — würde sie sowohl beim Laden als auch beim Entladen anfallen, zahlte der Speicher doppelt für dieselbe Kilowattstunde. Deshalb gibt es in mehreren Ländern befristete Befreiungen.

Umlagen für Systemdienstleistungen des Netzbetreibers. In manchen Abrechnungsmodellen bereits in den Handelsabrechnungen enthalten — vor der Erfassung im eigenen Modell unbedingt prüfen, sonst wird die Position doppelt gebucht.

Wartung, Versicherung, Pacht, Monitoring, Verwaltung. Weitgehend fix und damit der Grund, warum ein einzelner schwacher Handelsmonat schnell ins Minus dreht: Die Kosten laufen weiter, die Erlöse nicht.

Tilgung und Zinsen. Bei fremdfinanzierten Projekten meist der größte Einzelposten. Entscheidend ist nicht die Höhe allein, sondern ob der Cashflow ihn zuverlässig deckt — die Bank misst das über den Schuldendeckungsgrad.

Die Falle bei Handelsgebühren: Viele Gebühren bemessen sich nicht am Saldo aus Laden und Entladen, sondern an der Summe beider Richtungen. Eine Batterie, die 100 MWh lädt und 90 MWh entlädt, hat einen Saldo von 10 MWh — aber ein gebührenpflichtiges Bruttovolumen von 190 MWh. Wer das im Modell verwechselt, unterschätzt die Kosten um ein Vielfaches.

Vertiefung: Was die Bank sehen will

Ein fremdfinanziertes Projekt wird nicht am Gewinn gemessen, sondern an der Fähigkeit, den Kapitaldienst zu bedienen. Die zentrale Kennzahl ist der Schuldendienstdeckungsgrad debt service coverage ratio, DSCR:

DSCR = Cashflow vor Kapitaldienst ÷ (Tilgung + Zinsen)

Ein DSCR von 1,0 heißt: Es reicht exakt, kein Puffer. Banken verlangen typischerweise Werte deutlich darüber und knüpfen daran Konsequenzen — Ausschüttungssperren, wenn der Wert unterschritten wird, im Extremfall eine Kündigung des Kredits.

Ergänzend wird oft ein Schuldendienstreservekonto debt service reserve account, DSRA verlangt: ein gesperrtes Konto, auf dem mehrere Monatsraten vorgehalten werden. In der Aufbauphase fließt der Überschuss zuerst dorthin — an die Gesellschafter wird erst ausgeschüttet, wenn das Konto voll ist. Für die Liquiditätsplanung ist das entscheidend: Ein Projekt kann profitabel sein und trotzdem in den ersten Monaten nichts auszahlen.

Beides steht im Kreditvertrag, nicht in den Sicherheitenverträgen. Wer eine Cashflow-Planung aufsetzt, sollte diese beiden Punkte zuerst nachschlagen — sie bestimmen, welcher Teil des Geldes überhaupt frei verfügbar ist.

Kapitel 7

Dieselbe Batterie, drei Rechtsrahmen

Technisch identische Anlagen rechnen sich in Ungarn, Österreich und Deutschland unterschiedlich. Der größte Hebel ist fast immer dieselbe Frage: Zahlt der Speicher Netzentgelt auf den Strom, den er einlagert?

Ungarn

Netzbetreiber
MAVIR Zrt. ist der Übertragungsnetzbetreiber, Börse ist die HUPX. Regulierungsbehörde ist die MEKH.
Marktlage
Sehr hoher PV-Anteil bei vergleichsweise wenig Speicher — die Preisspreizung über den Tag ist entsprechend groß. Nach dem Einstieg in die weltweiten Top Ten bei Photovoltaikleistung pro Kopf holt Ungarn nun auch bei Batterien auf.
Förderung
Es gibt ein staatliches Speicher-Förderprogramm mit klaren Auflagen: mindestens 2 MWh je MW geförderter Speicherkapazität, mindestens 0,5 MW Speicherleistung, Verfügbarkeit über mindestens zehn Jahre mit wenigstens 70 % der Anfangskapazität, aFRR-Akkreditierung durch den Netzbetreiber sowie monatliche Berichte an die MEKH über tatsächliche Erlöse, Kosten und Aktivitäten.
Besonderheit
Der Regelenergiemarkt war zuletzt mehrfach in Bewegung — Preisobergrenzen und Gebotsverfahren wurden angepasst. Batterien nehmen am aFRR-Markt bislang überwiegend als Teil von Aggregatoren teil.

Österreich

Netzbetreiber
Austrian Power Grid (APG) betreibt das Übertragungsnetz und die Regelenergiemärkte. Regulierungsbehörde ist die E-Control.
Regelenergiemarkt
Die permanent vorzuhaltende Primärregelreserve der Regelzone APG beträgt für 2026 ±75 MW, nach ±65 MW im Jahr 2025. Die Tertiärregelreserve lag bis einschließlich Liefertag 30. April 2026 bei +205 MW positiv und −195 MW negativ. Beschafft wird täglich in sechs Vier-Stunden-Produkten, die Mindestgebotsgröße beträgt 1 MW. Der Markt ist deutlich kleiner als der deutsche.
Rechtsrahmen
Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz wurde am 11. Dezember 2025 im Nationalrat mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, am 17. Dezember im Bundesrat, kundgemacht am 23. Dezember und grundsätzlich am 24. Dezember 2025 in Kraft getreten. Es ersetzt das ElWOG 2010 und enthält ein eigenes Kapitel zur Energiespeicherung. Für einzelne Bereiche, darunter die neuen Systemnutzungsentgelte, gelten spätere Termine.
Neu für PV ab 2027
Betreiber größerer PV-Anlagen zahlen künftig ein Netzentgelt für die Einspeisung — im Gesetz als Versorgungsinfrastrukturbeitrag bezeichnet. Anlagen unter 20 kW sind ausgenommen. Ab Juni 2026 müssen neue Anlagen ab 3,68 kW netzwirksamer Leistung für den Netzbetreiber ansteuerbar sein.
Förderung
Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz fördert PV über eine gleitende Marktprämie. Fällt der Vortagspreis für die Gebotszone Österreich mindestens sechs aufeinanderfolgende Stunden ins Negative, sinkt die Marktprämie für diesen gesamten Zeitraum auf null. Das erhöht den Wert eines Speichers unmittelbar.

Deutschland

Netzbetreiber
Vier Übertragungsnetzbetreiber teilen sich die Regelzonen, die Regelenergie wird gemeinsam ausgeschrieben. Regulierungsbehörde ist die Bundesnetzagentur.
Netzentgeltbefreiung
Speicher, die seit dem 4. August 2011 in Betrieb genommen wurden, sind hinsichtlich des Bezugs der einzuspeichernden Energie für zwanzig Jahre von den Netzzugangsentgelten freigestellt, sofern der Strom aus einem Netz entnommen und zeitversetzt in dasselbe Netz zurückgespeist wird. Rechtsgrundlage ist § 118 Abs. 6 EnWG.
Was sich gerade ändert
Die Bundesnetzagentur hat die zunächst erwogene rückwirkende Streichung der Speicherbefreiung fallengelassen; Speicher mit finaler Investitionsentscheidung vor Inkrafttreten der Festlegung und Inbetriebnahme bis zum 4. August 2029 behalten ihre zwanzigjährige Befreiung. Die Rahmenfestlegung ist für Ende 2026 geplant, ein Inkrafttreten nicht vor dem 1. Januar 2027.
Marktgröße
Der größte Regelenergiemarkt der Region — entsprechend hoher Wettbewerb und ein spürbarer Preisdruck durch den Batteriezubau. Reine Regelenergie-Geschäftsmodelle gelten hier als riskanter als noch vor einigen Jahren.

Wichtig: Die Netzentgeltfrage ist in allen drei Ländern gerade in Bewegung. Was hier steht, ist der Stand August 2026 und ausdrücklich kein Ersatz für eine Prüfung im Einzelfall. Bei einer Investitionsentscheidung über zwanzig Jahre sollte regulatorische Veränderung als eigenes Risiko eingepreist werden — nicht als Randnotiz.

Kapitel 8

Glossar

Alle Begriffe zweisprachig. Suchen Sie deutsch, englisch oder nach der Abkürzung.

Arbitrage
arbitrage
Ausnutzen von Preisunterschieden über die Zeit: günstig einkaufen, teuer verkaufen.
Ausgleichsenergie
imbalance / balancing energy
Abrechnung der Differenz zwischen angemeldetem Fahrplan und tatsächlicher Fahrweise.
aFRR
automatic frequency restoration reserve
Sekundärregelung. Wird automatisch abgerufen und löst die Primärregelung nach etwa 30 Sekunden ab.
Bilanzkreis
balance group
Virtuelles Konto, auf dem Einspeisung und Entnahme mehrerer Anlagen gegeneinander verrechnet werden.
C-Rate
C-rate
Verhältnis von Leistung zu Kapazität. Beschreibt, wie schnell eine Batterie vollständig geladen oder entladen werden kann.
Degradation
degradation
Altersbedingter Kapazitätsverlust der Zellen, im Wesentlichen durch Zyklen und Temperatur getrieben.
DSCR
debt service coverage ratio
Schuldendienstdeckungsgrad. Cashflow vor Kapitaldienst geteilt durch Tilgung plus Zinsen.
DSRA
debt service reserve account
Gesperrtes Reservekonto, auf dem mehrere Monatsraten des Kapitaldienstes vorgehalten werden.
Entenkurve
duck curve
Tagesverlauf des Strompreises bei hohem PV-Anteil: Einbruch mittags, steiler Anstieg am Abend.
Endfahrplan
final schedule
Letzte verbindliche Fahrplanmeldung vor der Lieferung. Referenzpunkt für die Ausgleichsenergie.
FCR
frequency containment reserve
Primärregelung. Reagiert binnen Sekunden und stoppt den Frequenzabfall europaweit gleichzeitig.
Innertagshandel
intraday market
Fortlaufender Handel nach der Vortagsauktion bis kurz vor der Lieferung.
Kannibalisierung
cannibalisation / capture rate
Effekt, dass PV-Anlagen genau dann verkaufen, wenn viele andere ebenfalls einspeisen — und der Preis niedrig ist.
Kapazität
energy capacity
Gesamtmenge speicherbarer Energie, angegeben in Megawattstunden.
Ladezustand
state of charge, SoC
Aktueller Füllstand der Batterie, meist in Prozent der nutzbaren Kapazität.
Leistung
power
Wie schnell Energie aufgenommen oder abgegeben werden kann, angegeben in Megawatt.
Leistungspreis
capacity price
Vergütung für die reine Bereitstellung von Regelleistung, unabhängig vom tatsächlichen Abruf.
Marktkopplung
single day-ahead coupling, SDAC
Gemeinsamer europäischer Algorithmus, der Vortagspreise und Grenzkapazitäten simultan ermittelt.
Marktzeiteinheit
market time unit, MTU
Kleinste handelbare Zeitscheibe. Seit 1. Oktober 2025 europaweit 15 Minuten statt einer Stunde.
MARI
manually activated reserves initiative
Europäische Plattform für den grenzüberschreitenden Austausch von mFRR.
Merit Order
merit order
Einsatzreihenfolge der Kraftwerke, sortiert nach kurzfristigen Grenzkosten.
mFRR
manual frequency restoration reserve
Tertiärregelung. Wird manuell abgerufen und macht die schnelleren Reserven wieder frei.
Netzentgelt
grid usage fee
Entgelt für die Nutzung des Stromnetzes. Bei Speichern umstritten, weil es doppelt anfallen könnte.
OPEX
operating expenditure
Laufende Betriebskosten: Wartung, Versicherung, Pacht, Monitoring, Verwaltung.
PICASSO
platform for aFRR exchange
Europäische Plattform für den grenzüberschreitenden Austausch von aFRR.
Präqualifikation
prequalification
Technische Zulassungsprüfung durch den Netzbetreiber, bevor eine Anlage Regelenergie anbieten darf.
Regelarbeit
balancing energy
Vergütung für tatsächlich abgerufene Regelenergie, im Unterschied zur reinen Bereitstellung.
Revenue Stacking
revenue stacking
Kombination mehrerer Erlösquellen in einer Anlage, um die Abhängigkeit von einem Markt zu senken.
Umlaufwirkungsgrad
round-trip efficiency, RTE
Anteil der geladenen Energie, der beim Entladen wieder zur Verfügung steht.
Vortagsmarkt
day-ahead market
Auktion am Vortag um 12:00 Uhr, in der der Großteil des Stroms gehandelt wird.
Vollzyklus
full cycle
Einmaliges vollständiges Laden und Entladen der nutzbaren Kapazität. Maßstab für Verschleiß.

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Über diesen Inhalt. Dieser interaktive Erklärartikel wurde mit Unterstützung von Claude (Anthropic) erstellt und von unserem Team inhaltlich geprüft. Alle Zahlenbeispiele und die Preiskurve im Simulator sind typisierte Darstellungen zu Anschauungszwecken und stammen nicht aus realen Betriebsdaten. Regulatorische Angaben geben den Stand August 2026 wieder und ersetzen keine rechtliche, steuerliche oder finanzielle Beratung im Einzelfall.

Quellen u. a.: EPEX SPOT und Europäische Kommission zur 15-Minuten-Marktzeiteinheit · MAVIR und MEKH zum ungarischen Markt · APG und E-Control zu Österreich · Bundesnetzagentur zu Deutschland · FfE und Next Kraftwerke zu den Regelenergieprodukten.

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